Wird Zeisigwald Mülleimer? – Bürgerinitiative will projekt stoppen!

Teilnehmer der Bürgerinitiative stehen vor dem Zeisigwald, wo die Müllverbrennungsanlage vorgesehen ist. Fotos: Daniel Unger

Teilnehmer der Bürgerinitiative stehen vor dem Zeisigwald, wo die Müllverbrennungsanlage vorgesehen ist. Fotos: Daniel Unger

Hilbersdorf. Derzeit wird der Müll der sich in Chemnitz ansammelt, in der Sortieranlage am Weißen Weg zu Ersatzbrennstoffen (Pellets) aufbereitet und mit dem LKW nach Jänschwalde in die Lausitz gefahren. Dort erfolgt bisher die Verbrennung. Ende Mai 2020 laufen allerdings die Verträge mit dem Kraftwerk aus. Deshalb plant der Abfallwirtschaftsverband Chemnitz, ein Ersatzbrennstoffkraftwerk am Zeisigwald in unmittelbarer Nähe zur Restabfallbehandlungsanlage zu bauen. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich einfach gesagt eine Müllverbrennungsanlage.

Aus Sorge um die Zukunft des Naherholungsgebietes und die Gesundheit der Menschen hat sich eine Bürgerinitiative in Chemnitz und den umliegenden Gemeinden gebildet. Erstes Ziel der Bürgerinitiative ist es, die Planung zur Umwidmung der Waldfläche und die Bauplanung für den Bau der Müllverbrennungsanlage zu stoppen. Die bisherigen Informationsveranstaltungen des Verbandes haben gezeigt, dass die Mehrheit der Teilnehmer gegen eine Müllverbrennungsanlage ist, insbesondere aus den Stadtteilen Sonnenberg, Ebersdorf, Hilbersdorf und Euba sowie den angrenzenden Ortschaften Niederwiesa und Flöha.

Die Bürgerinitiative möchte vor einer Entscheidung des Planungs-, Bau – und Umweltausschusses eine öffentliche Debatte über Ziele und Strategien für ein Abfallbehandlungs- und Energiekonzept der Stadt. Dazu könnte auch ein „Runder Tisch Abfall und Energie“ beitragen. Für die geplante Anlage reicht selbst nach den Worten von Bürgermeister Miko Runkel das Abfallaufkommen der Stadt nicht aus. Somit ist der Müllimport aus anderen Regionen bereits vorprogrammiert. Aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung und Richtlinien der EU, das Recycling der Abfallstoffe zu steigern, wird das Müllaufkommen in Zukunft immer weiter zurückgehen. Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass eine wirtschaftlicher Betrieb dieser Müllverbrennungsanlage in Frage gestellt werden muss.

„Zudem dürfen auch wertvolle Ressourcen nicht verbrannt werden. Es gibt immer mehr technische Möglichkeiten, um eine stoffliche Wiederverwertung von Abfällen zu realisieren“, meinte Katharina Weyandt von der Bürgerinitiative. Zu den Kraftwerksplänen derStadt Chemnitz gehört auch die Erzeugung von Fernwärme.

Die Einbindung erfordert jedoch eine Trasse, wobei nicht ganz ausgeschlossen ist, dass diese durch den Zeisigwald gebaut weird. Bernhard Herrmann, Stadtrat B90/Grüne kommentierte:

„Der Anfang des Jahrtausends durch Bürgerinnen und Bürger errungene Verzicht auf die Müllverbrennung hat auch dazu beigetragen, dass Chemnitz heute die bundesweit mit günstigsten Abfallpreise hat. Städte, in und bei denen Abfallverbrennungsanlagen stehen, gehören dagegen in der Regel zu denen mit den höchsten Gebühren.“

Weiterhin sind die Gegner der Müllverbrennungsanlage in Sorge über mögliche gesundheitliche Risiken. Wenn auch bei derartigen Anlagen die Emissionsgrenzwerte eingehalten werden, bleibt bei allen Verbrennungsprozessen ein Rest der ausgestoßen wird. Die Stadt wäre deshalb in der Pflicht in diesem Zusammenhang die genaue Erfassung der jetzigen Belastungssituationen mit Feinstäuben, Schwermetallen, Stickoxiden und Schwefeloxiden noch vor dem Bau zu analysieren.

Mehr Informationen und eine Online-Petition unter www.bi-chemnitz. de. Die Bürgerinitiative veranstaltet am 30.Mai um 16.00 Uhr eine Aktion auf dem Neumarkt vor dem Rathaus, bei der u.a. für den Zeisigwald getrommelt wird.

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