WM-Achte will nach Rio

Kristin Gierisch. Foto: privat

Kristin Gierisch. Foto: privat

Zwickau. Kein Reporter hat ihre Herkunft erwähnt. Nur Leichtathletik-Insider freuten sich über eine grandiose Leistung einer gebürtigen Zwickauerin. Seit der Leichtathletik-Weltmeisterschafts-Premiere 1993 hatte es keine deutsche Dreispringerin mehr ins Finale geschafft. Wenn auch knapp schaffte dies Kristin Gierisch mit dem jeweils dritten entscheidenden Versuch. Zunächst in der Quali fürs Finale, dann in den Endkampf der besten Acht der Welt. Gesprungene 14,25 m reichten am Ende für Platz acht. Über das „Gefühl von Fliegen“ und Ihre Entdeckerin sprach die sympathische 25jährige Polizeimeisteranwärterin exklusiv mit dem WochenENDspiegel.

Was haben Bekannte und Verwandte zum 8. WM-Rang gesagt?

Alle waren unheimlich stolz und haben mir auf allen Wegen gratuliert.

Erst jeweils im dritten Versuch die entscheidenden Meter zu machen, war gar ein taktisches Wettkampf-Mittel?

Es wäre schöner, wenn es im ersten Versuch klappen würde, einen raus zu hauen Dann ist die Konkurrenz geschockt, die Entscheidung gefallen. Aber das wollen alle. Also galt, zu allen guten dingen gehören drei.

Seit wann treibst du Sport und schon immer Dreisprung?

Sport treibe ich, seit ich denken kann. Leichtathletik ab der 4. Klasse. Davor habe ich Pferdesport betrieben, was ich aber schnell ad acta gelegt habe.

Wer oder was gab für den Wechsel den Ausschlag?

Entdeckt hat mich eigentlich meine Mathelehrerin Angela Parthum. Sie hat mich zum SV Vorwärts Zwickau gebracht. Dort war Angela Geyer meine erste Trainerin. Sebastian Stumpe in Chemnitz hat mir später super Grundlagenkenntnisse beigebracht, die mir jetzt immer noch einen Vorteil verschaffen.

Gäbe es denn eine „Ausweich“-Sportart, Sprint läge doch nahe?

Nein, entweder Sprung oder nichts. Wie ich es bereits mehrfach gesagt habe: Dreisprung ist einfach die schönste Disziplin der Leichtathletik, meine große Liebe. Das ist ein Gefühl von Fliegen. Der Rest ist nichts für mich.

Für welche Sportart schlägt sonst dein Herz?

Ich bin sehr fußballbegeistert und deswegen schlägt eine Ader für den FC Bayern München.

Fußballer machen im Gegensatz zu Leichtathleten richtig Kohle. Was würdest du aber mit geschenkten 1000 Euro machen?

Ich würde sie an ein Wohnheim für Körper- und geistig behinderte Menschen spenden.

Dreispringer sind prinzipiell „Einzelkämpfer“. Welche Rolle spielt trotzdem der Team-Spirit in der Leichtathletik-Auswahl eines Landes?

Ein gewisser Spirit ist für ein Team immer super. Man ist ein Teil von der Mannschaft und jeder kann seinen Teil zu einer guten Gesamtplatzierung und damit verbundenen Motivation beitragen. Für mich hat dies eine große Bedeutung.

Welcher sportliche Erfolg hat nun warum das höhere Gewicht – EM-4. oder WM-8.?

Der 4.Platz in Prag war emotionaler, weil es so knapp war und ich dort eine Bestleistung gesprungen bin. Die WM jetzt war aber für mich persönlich wichtiger, weil ich damit Anschluss an die Weltspitze und den A-Kader erreicht habe, was mir und meinem Trainer Harry Marusch viel mehr Möglichkeiten eröffnet hat.

Und abseits von Anlaufbahn und Sprunggrube?

Spiele ich gern Fußball, Squash, gehe Schoppen, treffe Freunde und verbringe viel Zeit mit meinem Freund. Bin eher der Diät-Freak, verbringe gerne Zeit in der Küche und probiere neue Sachen aus und esse aber am liebsten Nudeln mit Wurststückchen und Tomatensoße. Lese gerade „Die Kunst der klugen Handelns“ und würde gern mal zu einem Kraftklub-Konzert gehen.

Apropos Musik – einem Timberlake-Titel ist dein Lebensmotto angelehnt?

Ja: What goes around comes back around. Für mich bedeutet er: Etwas Gutes kommt zurück, wenn es schon einmal da war.

Das gilt auch für Rio 2016?

Da war ich zwar noch nicht, aber im Finale der besten Acht der Welt. Olympische Spiele, das muss jetzt einfach drin sein.    tsc

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