Start Vogtland Wo zum Teufel sind hier die Lautsprecher?
Artikel von: Sven Günther
26.01.2021

Wo zum Teufel sind hier die Lautsprecher?

Gedruckte Lautsprecher erzeugen überraschende Urwald-Illusion: Die in eine Papierbahn eingebettete gedruckte Elektronik ermöglicht einen 360°-Surround-Sound. Varvara Bachul vom Institut für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz analysiert den Soundverlauf, der innerhalb des T-RINGs erzeugt wird. Die Töne kommen aus 56 gedruckten Einzellautsprechern, die auf der knapp vier Meter lange Kreisbahn zu sieben Segmenten verbunden sind. Foto: Jacob Müller.

Voll auf die Ohren

Von Sven Günther
Chemnitz. Da werden die Lautsprecher-Spezialisten von Teufel, Bose, B&W oder Tannoy die Ohren spitzen! Chemnitzer Forscher haben ein 360°-Surround-Sound-System entwickelt, das aus bedrucktem Papier besteht. Es sieht aus wie eine Lampe, wiegt nur 150 Gramm, verursacht keinen Kabelsalat – und erzeugt trotzdem einen satten Sound. Der Name T-Paper! Er steht für den englischen Begriff „Tone-Paper“, was so viel wie „tönendes Papier“ bedeutet.

Die Lautsprecher- und Drucktechnik ist in Chemnitz schon vor fünf Jahren entwickelt worden. Jetzt ging es darum, die Technologie für die Fertigung für die Massenproduktion zu vereinfachen. „Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Printmedientechnik, Chemie, Physik, Akustik, Elektrotechnik und Wirtschaft, die aus sechs Nationen stammen, entwickelten eine kontinuierliche, hochproduktive und sichere Rollenproduktion von Lautsprecherbahnen“, berichtet Projektleiter Dr. Georg C. Schmidt. Die Elektronik wird dabei unsichtbar und geschützt in das bedruckbare Papier eingebettet. Die Kosten von 1,4 Millionen Euro trägt das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Die nahezu unsichtbar in die Papierbahn eingebetteten gedruckten Lautsprecher sind nur im starken Gegenlicht zu erkennen. Foto: Jacob Müller.

Das Potenzial des Lautsprecherpapiers wurde im T-Paper-Projekt auf weitere Anwendungsbereiche ausgeweitet. So können nun meterlange Lautsprecher-Installationen in Bahnform oder als Kreis („T-RING“) gefertigt werden. „Bei unserem T-RING-Prototyp wurden eine knapp vier Meter lange Bahn mit 56 Einzellautsprechern zu sieben Segmenten verbunden und zum Kreis geformt, was eine 360° Surround-Sound-Installation möglich macht“, sagt Schmidt. „So sind nun günstige Infotainment-Lösungen etwa in Museen, auf Messen und in der Werbebranche möglich. In öffentlichen Gebäuden ist beispielsweise eine sehr homogene Beschallung langer Strecken wie Korridore möglich.“

Zur Demonstration wurde mit dem Prototyp eine Urwald-Sound-Illusion erzeugt, in der Tierlaute aus den verschiedensten Richtungen zum Hörer gelangen. Dr. Schmidt: „Die Lautsprecher-Technik ist stabil, der Herstellungsverfahren funktioniert. Vielleicht können Endverbraucher die Systeme in drei bis vier Jahren kaufen.“

Ein Novum der Chemnitzer Innovation ist die akustische Inline-Charakterisierung: Projektleiter Dr. Georg C. Schmidt prüft an einer Rolle-zu-Rolle-Druckmaschine die vollständig gedruckte Papierlautsprecherbahn akustisch und kann so deren Qualität beurteilen. Foto: Jacob Müller.