Wolfgang Schäuble Redner bei Festveranstaltung zu 150 Jahre Volksbank Chemnitz eG

Wolfgang Schäuble bei seinem Impulsvortrag im Opernhaus. Foto: Cindy Haase

Chemnitz. Der Präsident des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble, war am heutigen Nachmittag Ehrengast bei der Festveranstaltung „150 Jahre Volksbank Chemnitz eG.“ im Opernhaus Chemnitz. In einem Impulsvortrag und anschließender Podiumsdiskussion wurde mit ihm über Finanzmoral und Verantwortung in der offenen Bürgergesellschaft gesprochen.

Das genossenschaftliche Geldinstitut wurde im Jahr 1869 gegründet und versteht sich als als Bank für die Region. In ihrer wechselvollen Geschichte gab es viele Höhen und Tiefs. Mittlerweile wächst das Geschäft seit rund zehn Jahren um 10 Prozent per anno. „1869 fiel in die Hochzeit der Industrialisierung“, erinnerte Volksbank-Vorstand Gunnar Bertram in seiner Festrede an die schwierigen Anfänge. In dieser Situation wollte die Bank vor allem in der Landwirtschaft und im Handwerk Hilfe zur Selbsthilfe geben.

Bertram betonte, „der zentrale Wert des genossenschaftlichen Gedankens ist vor allem das Vertrauen“. Mehr als 800 Millionen Menschen seien weltweit genossenschaftlich engagiert. Dabei stehe der regionale Aspekt im Vordergrund – so auch bei der Volksbank Chemnitz mit dem Einzugsgebiet Chemnitz, Zwickau und Erzgebirge. „Wir sind dort zu Hause, wo unsere Kunden zu Hause sind.“ Doch nicht nur Bankgeschäfte stünden im Mittelpunkt sondern das Engagement. “Die Menschen suchen das Bewährte und regional Greifbare“, ist er überzeugt.

Bundespräsident Schäuble erinnerte an schwierige Jahre in der Finanzwelt und brachte auf humorvoll-pointierte Weise die Ambivalenz von Banken auf den Punkt. „Auch die VR sind keine Versuchungen des Marktes nicht gefeit“, nahm er keine Rücksicht auf das Jubiläum, um sodann hinzuzufügen: „Aber wenn das sogar katholischen Banken passieren kann, ist das zu entschuldigen“, gab sich der 77-Jährige versöhnlich, der selbst acht Jahre lang Finanzminister war.

“Kommerz bei Banken kommt kommt nicht ohne Moral aus“, warnte er. Die Banker der Genossenschaftsbanken genössen aus seiner Sicht zu Recht das Vertrauen der Kunden. Das dreiteilige Bankensystem mit Großbanken, Privatbanken und Volksbanken sei gut und richtig. „Volksbanken kennen die Bedürfnisse der Realwirtschaft.“ Gerade in Finanzkrisen würden Genossenschaftsbanken stabilisierend wirken. „Sie sind kein auslaufendes Modell“, betonte Schäuble.

In der späteren Podiumsdiskussion brachte der Politiker auf den Punkt, was sicher auch den Maximen der Volksbank Chemnitz entspricht: „Nur wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen, haben wir eine Chance die Probleme zu lösen.“ Vor allem das Thema Migration könne man nicht dadurch verändern, indem man die Ängste der Bürger nicht ernst nehme. Trotz allem betonte er die Wichtigkeit der Europäischen Union – trotz vorhandener Probleme.

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