Würden Sie sich impfen lassen, Frau Köpping?

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). Foto: Kerstin Pötzsch

Petra Köpping: Die Impfpflicht dient dem Gesundheitsschutz

Von Sven Günther

Region. Macht sich Sachsen locker? Gibt es schon ab Mitte Juli wieder Volksfeste? Eine ganze Branche würde Hoffnung schöpfen, die noch gestern auf ihre schwierige Situation aufmerksam gemacht hat: Die Eventmanager und Veranstalter, Techniker und Künstler.
Sachsen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) trägt eine riesige Veranwortung, führt den Freistaat durch die Krise. Der Wochenendspiegel stellte ihr einige kritische Fragen.

Eine angeblich von der Bundesregierung geplante Corona-Impf-Pflicht nutzen Skeptiker zum Teil für krude Verschwörungs-Theorien. Würden Sie sich selbst impfen lassen, wenn es ein Serum gäbe?
„Die Bundesregierung hat wiederholt betont, dass eine mögliche künftige Corona-Schutzimpfung nicht zur Pflicht gemacht wird. Dies entspricht auch meiner Überzeugung: eine Schutzimpfung gegen das SARS-COV-2 Virus sollte auf freiwilliger Basis erfolgen. Ich würde eine Impfung in Erwägung ziehen, weil dies mich schützt und die anderen Menschen in meiner Umgebung.“

Wie weit darf der Staat generell gehen, wenn es um die Gesundheit der Menschen geht? In der DDR wurde über Impfungen nicht diskutiert, sie wurden gemacht, weil sie ein wirksamer Schutz vor Krankheiten sind.
„Aufgabe nicht nur des Staats und der Politik sondern auch von Ärzten und Wissenschaftlern ist es, über den Nutzen von Impfungen zu informieren, Menschen zu beraten und Ängste zu nehmen. Dies praktizieren wir alle gemeinsam in einer sehr guten Art und Weise. Die absolute Mehrheit der Menschen versteht, dass eine Impfung nicht nur die eigenen Gesundheit schützt sondern auch die der andern Menschen. Das Prinzip der Freiwilligkeit bei den meisten Impfungen funktioniert sehr gut, weil die Argumente für einen effektiven Impfschutz überzeugend sind. Bei den Masern hat die Bundesregierung eine gesetzliche Impfflicht vorgesehen, weil diese Krankheit für Kinder und Erwachsene einen schlimmen Verlauf nehmen kann. Die Impfflicht dient somit dem Gesundheitsschutz der Öffentlichkeit.“

Mein persönlicher Eindruck: Die Regierung war auf einen Virus wie Corona nicht ausreichend vorbereitet. Hätte man nicht über die Jahre exakte Ablaufpläne entwickeln müssen, die im Fall einer ernsthaften Bedrohung Deutschlands AUTOMATISCH greifen? Ich will ein Beispiel geben: Virus A wird entdeckt – Gefährlichkeit hoch – Sofort alle Pflegeheime inklusive Personal (entsprechende Gehalts-Regelungen im Vorfeld vereinbart) in Quarantäne!
„Die Regierung keines Landes der Welt war auf dieses Virus vorbereitet! Trotzdem wurde bundesweit und in Sachsen sehr besonnen und wirkungsvoll auf die Verbreitung reagiert. Der Influenza-Pandemieplan wurde umgehend aktualisiert und auf die Belange einer Coronavirus-Pandemie konkretisiert. Alle zur Eindämmung der Virusausbreitung nötigen Maßnahmen und Beschränkungen wurden rechtssicher in den Corona-Schutz-Verordnungen und Allgemeinverfügungen geregelt. Das betrifft auch das sehr schnell vollzogene Besuchsverbot von Pflegeeinrichtungen. Infektionsschutz funktioniert ja nicht nach Regeln der Mechanik. Unser Krisenstab hat die Situation täglich bewertet und dann die nötigen Entscheidungen getroffen. Wir waren sehr schnell und gewissenhaft.“

Noch eine provokative Ansicht: Laut RKI sind in Deutschland 8763 Menschen (Stand 12. Juni) mit dem Corona-Virus gestorben. Jedes Opfer ist eines zu viel, weitreichende ZWANGS-Maßnahmen wurden entsprechend eingeleitet.
Jährlich sterben in Deutschland rund 70.000 Menschen an – nicht selbst verschuldetem – Darmkrebs. ZWANGS-Maßnahmen gibt es aber nicht, obwohl ggf. durch eine OBLIGATORISCHE Vorsorge-Untersuchung mehr Menschen gerettet werden könnten, als mit Corona gestorben sind. Wie passt das aus Ihrer Sicht zusammen!
„Ich wehre mich entschieden dagegen, Menschenleben gegeneinander aufrechnen. Das geht gar nicht. Meine Aufgabe als Gesundheitsministerin ist der Schutz der Bevölkerung. Das ist für mich jede einzelne Bürgerin und jeder einzelne Bürger Sachsens. Das ist meine Handlungsmotivation. Wir haben alle die Bilder aus China und aus Bergamo gesehen: Schwerkranke Patienten auf Krankenhausfluren, LKW-Kolonnen mit Verstorbenen. Das Virus kam immer näher. Es war aber völlig unbekannt und unerforscht, wie es wirkt, wie viele schwere Erkrankungen es auslöst. Heute wissen wir, dass die Sterblichkeit in Bergamo im April sechs mal höher war als normal. Wir wollten unsere Bevölkerung davor schützen und haben dementsprechend gehandelt.“

In der Krise zeigt sich auch die Stärke. Zum Beispiel die des sächsischen Gesundheits-Systems. Trotzdem: Gibt es Dinge, die die Ministerin Köpping noch optimieren würde?
„Wir haben einen sehr wichtigen Beschluss getroffen, der einmalig bundesweit ist: Wir haben den Universitätsklinika in Dresden und Leipzig und dem Klinikum Chemnitz die Koordinierungsaufgabe für ihre Regionen übertragen. Folglich konnte die Arbeit der Krankenhäuser regional koordiniert werden, damit immer die beste Versorgung für die Patienten gegeben war und es zu keinen Überlastungen kam. Wir haben auch sehr gut mit den Gesundheitsämtern zusammengearbeitet, die die Hauptlast der Arbeit in der Hochzeit der Pandemie zu tragen hatten. Das kann man in einzelnen Punkten sicher immer noch etwas besser und wirkungsvoller tun. Gegenwärtig sind wir aber noch nicht in der Lage, in der wir eine große Aufarbeitung vornehmen können. Es gibt auch in Sachsen die ersten lokalen Ausbrüche. Wir haben uns gut auf diese neuen Hotspots vorbereitet und sind in der Lage, jederzeit schnell und angemessen reagieren zu können. Und wir wollen die Ausbreitung des Virus weiter so eindämmen und stoppen, damit möglichst viele Menschen unbeschwert in den Sommerurlaub gehen können, damit das Leben bei aller Vorsicht bald wieder möglichst normal gelebt werden kann. Das können alle Menschen mit beeinflussen, indem sie weiterhin vorsichtig bleiben, sich an Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen und das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung halten.“

Meistgelesene Beiträge
Facebook