Zuchthaus Hoheneck: Die Hölle auf Erden

Von Stefan Unger
Stollberg. Was die etwa 70 Besucher am vergangenen Samstag bei Rundgängen durch das ehemalige Zuchthaus Hoheneck sahen, ließ ihnen oftmals die Augen nass werden. Die aus Leipzig stammende Inge Naumann führte mit viel Engagement die Interessenten durch die finsteren Räume des Zuchthauses und hatte dabei viel aus eigenen Erlebnissen zu berichten. Sie verbrachte von 1983 bis 1986 drei Jahre in Hoheneck. „Bei der Einlieferung dachte ich, hier kommst du lebend nicht wieder heraus“. Sie hatte seinerzeit einen Ausreiseantrag gestellt und sich kritisch über die Zustände in der ehemaligen DDR geäußert.
Das reichte damals aus, um sie und ihren Mann in Haft zu bringen, ihr 3-jähriger Sohn kam in ein Heim. Nach ihrer Entlassung bewies sie Mut, stellte erneut einen Ausreiseantrag, so dass sie im Jahr 1987 mit ihrer Familie in die Bundesrepublik kam. „Ich habe heute noch mit dem Erlebten zu kämpfen und werde bis an mein Lebensende damit leben müssen. Ein Stasi-Offizier hatte damals zu mir gesagt, dass ich in 30 Jahren noch an ihn denken werde – wie recht er leider hatte“, sagte Naumann. In drei Schichten musste sie unter unmenschlichen Bedingungen Strumpfhosen für ESDA Thalheim herstellen. Diese wurden zu hundert Prozent für den Export in die Bundesrep

Die ehemalige politische Strafgefangene Annerose Matz-Dohnath sprach bewegende Worte an der Gedenkstätte der Opfer des Stalinismus vor den Toren des Zuchthauses Hoheneck. Sie verbrachte hier einige Jahre ihrer 12-jährigen Haftzeit. Foto: Stefan Unger

Die ehemalige politische Strafgefangene Annerose Matz-Dohnath sprach bewegende Worte an der Gedenkstätte der Opfer des Stalinismus vor den Toren des Zuchthauses Hoheneck. Sie verbrachte hier einige Jahre ihrer 12-jährigen Haftzeit. Foto: Stefan Unger

ublik geliefert. Vor allem die hygienischen Bedingungen waren unfassbar katastrophal.
Für jeweils 28 Insassen existierten zwei Waschbecken mit kaltem Wasser, daneben standen zwei Toiletten auf engstem Raum. „Ganz schlimm war, dass wir politischen Gefangenen mit schwer kriminellen Straftätern, asozialen Frauen und zu lebenslang verurteilten Mördern untergebracht waren. Die wussten ja, dass wir in absehbarer Zeit in den Westen kommen werden und ließen ihren Frust an uns aus“, so die 55-jährige. Von anderen Insassen erfuhr Naumann, dass im Dezember 1989 die „Wachteln“, wie die Wächter genannt wurden, nach Hof fuhren und sich ihr Begrüßungsgeld von hundert Westmark abholten, während die letzten politischen Häftlinge noch in Hoheneck einsaßen. Heute noch brisant ist, dass fast alle Wärter nach der Schließung des Gefängnisses Hoheneck von der Polizei übernommen wurden und teilweise heute noch im Polizeidienst stehen. „Auf Einsicht derer brachen wir nicht zu hoffen“, sagt eine verbitterte Inge Naumann, die heute auch noch mit gesundheitlichen Folgen der drei Jahre Haft in der Frauenhölle Hoheneck zu kämpfen hat.

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